Call for Papers

Im Rahmen unseres interdisziplinären Projekttutoriums an der Humboldt-Universität zu Berlin planen wir, ein Buch mit verschiedenen Texten zum Thema „Gesellschaftliche Mensch-Tier-Verhältnisse“ herauszugeben.

Wir wollen diesen Sammelband für weitere Beiträge öffnen. Alle, die sich inhaltlich daran beteiligen möchten, sind herzlich dazu eingeladen, uns ein Abstract bzw. eine kurze Beschreibung ihres Vorhabens zukommen zu lassen. Folgende Themen würden uns besonders interessieren:

  • Tierrechts-/Tierbefreiungs-Bewegung in der Geschichte
  • Tierprozesse
  • Queer Animals/Heteronormativität in der Zoologie
  • Verschiebung/Auflösung der Mensch-Tier-Grenze in der Biologie
  • Ökonomie/Kapitalismus und Tiere
  • Tierrechte & Ökologie
  • Mensch-Tierverhältnisse im Öffentlichen Diskurs (Medien, Rechtslage, Wahrnehmung der TR- Bewegung)
  • „Rechte“ für Tiere (Autonome Nationalist_innen)
  • Veganismus (Grenzen, Wahrnehmung im Natur/Geisteswissenschaftlichen Diskurs, als jugendkulturelles Phänomen)
  • Falls ihr Texte zu diesen oder anderen spannenden Fragen aus dem Bereich „Gesellschaftliche Mensch-Tier-Verhältnisse“ habt oder schreiben möchtet, bitten wir euch eure Abstracts, den geplanten Titel und eine ungefähre Zeichenangabe des Umfangs bis zum 31. Januar 2010 an die unten stehende Emailadresse zu senden. Der Einsendeschluss für die Beiträge ist der 22. März 2010.

    Viele Grüße
    die AG Sammelband

    Kontakt: menschtier@vegmail.de

    Mensch-Tier-Verhältnisse im Wintersemester

    Nachdem im vergangenen Semester grundlegende theoretische Ansätze vorgestellt und diskutiert wurden, wollen wir im Wintersemester stärker projektorientiert arbeiten. Ziel ist die Herausgabe eines Sammelbands mit verschiedenen Texten, in denen gesellschaftliche Mensch-Tier-Verhältnisse analysiert werden.
    Die Teilnehmer_innen des Seminars werden sich dazu in AGs zusammenfinden und an Themenkomplexen, die sie besonders interessieren arbeiten. Zusätzlich dazu wird das theoretische Gerüst vermittelt werden, das für eine adäquate Analyse gesellschaftlicher Mensch-Tier-Verhältnisse wichtig ist. Die Arbeitsgruppen werden sich außerdem über ihr konkretes Vorgehen austauschen und sich durch gegenseitige Kritik weiterentwickeln können.

    Das Seminar richtet sich ausdrücklich nicht nur an die Teilnehmer_innen des letzten Semesters; auch andere interessierte Menschen sind herzlich willkommen.

    Zu Beginn des Semesters wird das Projekttutorium wöchentlich immer Montags von 12:00 Uhr bis 14:00 Uhr stattfinden. Später werden die Treffen der Gesamtgruppe in größeren Abständen stattfinden, um den AGs Raum für die Erarbeitung ihrer Inhalte zu lassen. Stattfinden werden die Treffen in Raum 293 in der Invalidenstr. 110.

    Das erste Treffen findet am Montag, den 19.10.2009 statt.

    Für Rückfragen stehen die Seminarleiter_innen unter menschtier@vegmail.de zur Verfügung

    Über euer zahlreiches Erscheinen freut sich die Vorbereitungsgruppe

    Zeit und Ort

    Das Projekttutorium findet mit einer einführenden Veranstaltung ab dem 15.4.09 immer Mittwochs in der Zeit von 14 bis 16 Uhr im Raum 293 im Gebäude der Invalidenstraße 110 statt.

    Seminarplan

    Diskursanalyse zu „Tierbildern“ (22.4.09)
    In der zweiten Sitzung geht es sowohl um eine allgemeine Einführung in die Thematik des Seminars als auch darum, einen Blick auf die gesellschaftlich vorherrschenden Tierbilder und deren diskursive Produktion zu werfen. Von den Teilnehmer_innen werden zuerst -in Gruppenarbeit- kurze Texte der Tierausbeutenden Industrie gelesen und analysiert und anschließend werden Ergebnisse einer Diskursanalytisch ausgerichteten Arbeit zu diesem Thema von den Seminarleiter_innen vorgestellt.

    Konstruktion und Ontologisierung des “Tieres“ (29.4.09)
    Die dritte Sitzung schließt inhaltlich an die vorausgehende an. Die Analyse der sozialen Konstruktionen und Ontologisierungen von ‚Tieren‘ stehen im Mittelpunkt. Hierzu wird es ein Referat einer Teilnehmer_innengruppe geben. Im Fokus stehen die dualistischen Kategorien Mensch und ‚Tier‘ sowie die Praxen der Herstellung dieses binär gedachten Gegensatzpaares.

    Tiere und Natur (Kritische Theorie) (6.5.09)
    Die Kategorie Natur ist ein konstitutives Moment für das Mensch-Tier-Verhältnis. Kritische Theoretiker_innen – vor allem Horkheimer und Adorno – haben, als sie sich mit der Frage beschäftigten, warum es trotz der Konflikthaftigkeit des Kapitalismus nicht zur Revolution kommt, eine bestimmte Form der Vergesellschaftung von Natur problematisiert. Der zur ‚zweiten Natur’ gewordene „gesellschaftliche Verblendungszusammenhang“ würde ihrer Meinung nach, die Aufklärung über Aufklärung selbst verhindern. In dieser Sitzung gilt es, die Relevanz von ‚Natur’ im abendländischen Denken herauszuarbeiten.

    Tiere und Natur (Postmoderne) (13.5.09)
    Im poststrukturalistischen Denken ist weder ist Wissenschaft „objektiv“, noch Natur „einfach da“. Wir wollen uns in dieser Sitzung sowohl mit einer allgemeinen poststrukturalistischen Wissenschaftskritik als auch mit der Konstruiertheit von Natur beschäftigen. Es geht um Fragen was Natur ist, wie sie hergestellt wird und wie ein kritisches Verständnis von Natur aussehen könnte. Daraus lassen sich dann Ansätze für ein kritisches Mensch-Tier-Verhältnis ableiten.

    Tierbilder im historischen Abriss (20.5.09)
    Vor allem durch die zunehmende Säkularisierung und die zunehmende Bedeutung der Naturwissenschaft hat sich die Sichtweise der menschlichen auf die nichtmenschlichen historisch Tiere gewandelt. Welche unterschiedlichen Sichtweisen auf Tiere lassen sich in der Geschichte ausmachen? Welche Wandlungen lassen sich bis zur Gegenwart nachvollziehen?

    Sprache (27.5.09)
    Die Sprache mit der wir kommunizieren beeinflusst in vielfältiger Weise unsere Wahrnehmung und unser Handeln. Auch das Mensch-Tier-Verhältnis bleibt von ihren Auswirkungen nicht unberührt. So beschäftigen wir uns in dieser Sitzung mit den Fragen: Wie wird mit Sprache das gegenwärtige Mensch-Tier-Verhältnis reproduziert? Wo in unserem Alltag und in welcher Form finden sich das Verhältnis reproduzierende Äußerungen?

    Wissenschaft (3.6.09)
    In der Achten Sitzung schauen wir und die (Re)produktion speziesistischer Verhältnisse in/durch Wissenschaft an. Geeignetes Beispiel hierfür ist die Primatologie. Sie, jene Disziplin die sich mit Menschenäff_innen beschäftigt, dreht sich um vielmehr als die reine Beobachtung von Verhaltensweisen unserer ‚nächsten Verwandten im Tierreich‘. Aus den ‚Erkenntnissen‘ dieser Disziplin werden sowohl Schlüsse auf die ‚Ursprüngliche Natur des Menschen‘ gezogen als auch treffen mit ihr vielfältige rassistische, patriarchale und viele weitere Diskurse zusammen, an denen wir uns die Verflochtenheit vom Speziesismus mit anderen hegemonialen Diskursen und Denkschemata anschauen werden. Auch in der achten Sitzung wird es ein Referat einer Teilnehmer_innengruppe geben.

    Raum (10.6.09)
    Mit den vergangenen Sitzungen sollte deutlich geworden sein, dass das Verhältnis von Menschen und nichtmenschlichen Tieren nicht a priori gegeben ist, sondern produziert und reproduziert wird. Den bisherigen Dimensionen dieser Reproduktion wird eine räumliche hinzugefügt. Davon ausgehend, dass Raum ebenfalls sozial (mit)konstruiert wird, lässt sich fragen, welche materiellen und symbolischen Abdrücke des vorherrschenden Mensch-Tier-Verhältnisses (un)sichtbar werden und wie diese wiederum das Verhältnis strukturieren.

    Unterschiede und Gemeinsamkeiten verschiedener Herrschaftsverhältnisse (17.6.09)
    Das Verständnis einzelner Kategorien sowie ihrer (scheinbaren) Stabilität erfordert – ausgehend von der Annahme, dass diese Kategorien nicht separat nebeneinander existieren, sondern miteinander verwoben sind – ein Zusammendenken dieser. Feministische Denker_innen haben dies erkannt und ihre Forschung neben gender auch auf race und class gerichtet, was unter dem Begriff der Intersektionalität bearbeitet wird. Quer zu diesen Differenzkategorien liegen Kategorien wie ‚Natur’ und ‚Dualismen’, die erstere miteinander verbinden und dadurch strukturieren. In diesem Prozess der Verknüpfung werden aber wiederum auch ‚Natur’ und ‚Dualismen’ strukturiert.

    Tierschutz (24.6.09)
    Mit diesem Abschnitt soll herausgearbeitet werden, wodurch sich so genannte Tierschutzanliegen auszeichnen. Zu fragen ist, welche Aufgaben und Ziele Tierschutz verfolgt, welche Mittel zur Erreichung dieser angewendet werden sollen und welches Tierbild vorliegt.

    Sitzung: Ethik und Moral (1.7.09)
    Die Diskussion um Mensch-Tier-Verhältnisse spiegelt sich im normativen Sinne auch in der zeitgenössischen Ethik wieder. Darum möchten wir und in dieser Sitzung mit den Fragen beschäftigen: Was macht Ethik aus und welche unterschiedlichen Formen von Ethik gibt es? Wie unterscheidet sich eine „Tier-Ethik“ von anderen Arten der Ethik? Ist die Formulierung einer Ethik mit Gültigkeitsanspruch überhaupt wünschenswert oder ist Ideologiekritik das geeignetere Mittel zur Kritik und Veränderung herrschender Zustände? Kann es Ideologiekritik ohne ein ethisches Fundament geben?

    Tierbefreiungsbewegung (8.7.09)
    Die Verknüpfung von Herrschaftskritik mit dem Mensch-Tier-Verhältnis im Allgemeinen und der Forderung der Beendigung von Tierausbeutung im Besonderen kennzeichnet die Tierbefreiungsbewegung. Auch wenn die theoretischen Ansätze unterschiedlich sein mögen, so gibt es doch Gemeinsamkeiten, welche sich im zu kritisierenden Konstrukt des „Speziesismus“ und in der praktischen Umsetzung dieser Ansätze hin zu einer befreiten Gesellschaft erkennen lassen.

    Gesellschaftliche Mensch-Tier-Verhältnisse

    Im Sommersemester 2009 findet an der HU ein Projekttutorium statt, was sich mit Mensch-Tier-Verhältnissen auseinandersetzen wird. Obwohl Tiere in unserem Alltag omnipräsent sind (z.B. als ‚Haustiere‘, oder als ‚Nahrungsmittel‘) gibt es wenige Ansätze das gesellschaftliche Verhältnis zu analysieren, welches die Grundlage für die Diskurse über und die Lebensrealitäten von Menschen und Tieren im Zusammenhang darstellt.

    In traditioneller Sichtweise werden nichtmenschliche Tiere als Objekte, die dem Interesse der Menschen dienen sollen, konstruiert. Ihre ‚artgerechte‘ Behandlung ist ebenso Teil des vorherrschenden Diskurses. Dies ändert jedoch nichts an dem grundlegenden verdinglichten Status, den sie in unserer Gesellschaft haben.

    Wir werden in dem Projekttutorium das gesellschaftliche Mensch-Tier-Verhältnis aus einer interdisziplinären und herrschaftskritischen Perspektive betrachten und uns in den Seminarsitzungen sowohl mit eigenen Analysen als auch mit Literatur aus den Bereichen Kritische Theorie, Poststrukturalismus, Moralphilosophie, etc. beschäftigen.

    Hier auf dem Blog wird es auch bald ausführlichere Infos zum Seminarverlauf etc. geben.